Unsere Einordnung zum Thema
Die Teilzeitquote in Deutschland hat einen neuen Höchststand erreicht. Fast jede zweite Frau arbeitet in Teilzeit, bei Männern ist es nur etwa jeder neunte. [Statistisches Bundesamt (Destatis), 2026]
Gleichzeitig wird gefordert, dass insgesamt mehr gearbeitet werden soll. Doch die entscheidende Frage bleibt: Wie soll das funktionieren?
Die Antwort ist schon lange bekannt. Es braucht verlässliche Kinderbetreuung, flexible Arbeitszeiten und eine gerechtere Verteilung von Haus- und Sorgearbeit.
Denn ein zentraler Zusammenhang wird oft übersehen: Männer können häufig nur deshalb Vollzeit arbeiten, weil Frauen den Großteil der unbezahlten Care-Arbeit übernehmen. Im Schnitt rund 30 Stunden pro Woche. Damit liegt der Gender Care Gap bei 44,3 %. [Statistisches Bundesamt (Destatis), 2024]
Viele Frauen arbeiten damit faktisch in Vollzeit, nur eben unbezahlt. Wir sprechen viel darüber, dass Frauen mehr arbeiten sollen, aber zu wenig darüber, was sie bereits leisten.
Teilzeit ist eine Auswirkung des Systems. Sie ist eine Anpassung an fehlende Rahmenbedingungen.
Die Folgen sind deutlich spürbar: geringere Einkommen, weniger finanzielle Sicherheit und stärkere Abhängigkeiten. Eine auskömmliche Erwerbsarbeit ist deshalb entscheidend. Sie ermöglicht ein selbstbestimmtes Leben und kann auch darüber entscheiden, ob es gelingt, sich aus belastenden oder gewaltgeprägten Beziehungen zu lösen.
Gleichzeitig verschärft sich der Fachkräftemangel. Während vielerorts Personal gesucht wird, bleibt das Potenzial vieler Frauen ungenutzt, nicht aus Mangel an Motivation, sondern wegen fehlender Möglichkeiten.
Genau hier setzen wir an. Mit unseren Teilzeitausbildungen schaffen wir Wege in den Arbeitsmarkt für Frauen, die ihre Ausbildung mit anderen Verpflichtungen oder Einschränkungen vereinbaren müssen. So wird Qualifikation möglich, ohne dass familiäre Verpflichtungen zu einem Ausschlusskriterium werden.
Wenn wir wollen, dass mehr Menschen arbeiten, müssen wir die Bedingungen verändern. Es braucht bessere Betreuung, eine gerechtere Verteilung von Haus- und Sorgearbeit und flexible Wege in Ausbildung und Beruf.



