Die Gäste der Premiere von Wüstenblau am 1. Juni 2016 mussten sich zuerst sehr wundern. Denn willkürlich ausgewählte Kandidat*innen wurden zunächst an einer Reihe „Beamtinnen“ vorbeigeleitet, die inmitten des schwarzen Bühnenraums an einem hellerleuchteten Tisch saßen und ohne deren Stempel die Gäste nicht die Zuschauerreihen betreten durften. Ein Gefühl des Ausgeliefertseins und einer großen Verunsicherung, wie es einen wohl auch im Zuge eines Asylverfahrens manchmal befallen muss.
Das Thema „Asyl“ war keineswegs Zufall. Diesmal kamen die Teilnehmerinnen aus zwei ganz unterschiedlichen Kursen zusammen, um ein Theaterstück zu entwickeln, das genauso vielfältig ist wie die Geschichten der Frauen. Die Teilnehmerinnen der VbFF-Projekte „Ankommen-Weiterkommen: Berufliche Orientierung für junge geflüchtete Frauen und Migrantinnen“ und Teilnehmerinnen des Vorbereitungskurses auf eine Teilzeitausbildung für junge alleinerziehende Mütter arbeiteten im Laufe von acht Wochen jeden Mittwoch mit den Künstlerinnen Verena Specht-Ronique und Monica Rella, um aus Improvisationen und selbst geschriebenen Texten ihr ganz eigenes Stück entstehen zu lassen. Und so wuchs im Laufe der Wochen eine Performance mit traurigen, lustigen, schönen, ärgerlichen und nachdenklichen Szenen. In diesem Jahr wurde auch intensiv am Bühnenbild gearbeitet. Durch Videoprojektionen und den Einsatz von Tonaufnahmen und Musik gelang es, einen mehrdimensionalen Raum zu schaffen.
Begrüßt wurden die Teilnehmerinnen und Publikum von Sozialdezernentin Frau Prof. Dr. Birkenfeld, die den Frauen mit ihren Worten Mut machte, an ihren Zielen festzuhalten. Außerdem stellte sie die große Bedeutung der Arbeit des VbFF und die langjährige Kooperation mit dem Sozialdezernat der Stadt Frankfurt heraus.
Viele Szenen amüsierten das Publikum und es wurde herzlich gelacht. Tragisch wurde es, als Fluchterlebnisse in Texten und Performances dargeboten wurden. Wie die Katze, die den Krieg nicht verstand und schließlich vor Heimweh nichts mehr essen wollte. Oder der Monolog zu Syrien und den Opfern des Krieges dort, in rotes Licht getaucht und von einer schweigenden Prozession schwarz-weiß gekleideter Teilnehmerinnen begleitet. Einen bewegenden Abschluss bot die Aufführung des Songs „Weißt du denn gar nicht, wie schön du bist“.
