Sozial- und Arbeitsmarktpolitik müssen zusammen gedacht werden

Aktuell werden Kürzungen im Sozialbereich diskutiert, unter anderem beim Unterhaltsvorschuss, ebenso wie eine Verschiebung des Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung.

Diese Entscheidungen betreffen nicht abstrakte Haushaltszahlen, sondern sehr konkret die Lebensrealitäten von Familien – insbesondere von Alleinerziehenden. Und diese sind überwiegend Frauen.

Die Streichung oder Einschränkung des Unterhaltsvorschusses erhöht das Armutsrisiko von Alleinerziehenden, die ohnehin überdurchschnittlich belastet sind. Finanzielle Unsicherheit wirkt sich unmittelbar auf die Möglichkeit aus, eine Ausbildung aufzunehmen und im Arbeitsmarkt stabil zu bleiben.

Auch die Verschiebung des Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung hat klare Folgen: Für viele erwerbstätige Mütter bedeutet sie, dass Arbeitszeit nicht ausgeweitet oder überhaupt aufrechterhalten werden kann.

Gleichzeitig wird gesellschaftlich und politisch intensiv darüber diskutiert, dass wir mehr Arbeitsstunden und eine höhere Erwerbsbeteiligung brauchen, um wirtschaftliche Schwäche und Fachkräftemangel abzufedern.

Diese Ziele lassen sich nur erreichen, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Wer Leistungen kürzt, die Erwerbsarbeit ermöglichen, konterkariert arbeitsmarktpolitische Ziele.

Aus unserer Praxis beim VbFF wissen wir:
Soziale Absicherung und verlässliche Betreuung sind keine Gegensätze zu Erwerbstätigkeit – sie sind ihre Voraussetzung.

Aus Studien ist bekannt, dass ein investierter Euro für die Kinderbetreuung der Gesellschaft volkswirtschaftlich das Drei- bis Vierfache bringt.*

Kurzfristige Einsparungen dagegen führen zu langfristigen Kosten: geringere Steuereinnahmen, höhere Transferabhängigkeit und eingeschränkte Zukunftschancen für Kinder. Eine konsistente Politik braucht beides: den Anspruch an Erwerbsarbeit und die Infrastruktur, die sie möglich macht.

Diese Zusammenhänge mitzudenken, ist aus unserer Sicht zentral für eine nachhaltige Wirtschafts- und Gleichstellungspolitik.

 

* Quelle: Prognos (2024), Ökonomische und volkswirtschaftliche Effekte von Kinderbetreuung